Auf die Frage, ob man es vorsätzlich, absichtlich und geplant tun würde, hat sicher jeder Partner nur eine Antwort parat: ein klares „Nein“. Und doch passiert es manchmal schneller, als man sich vorstellen mag, es passiert Männern wie Frauen, es passiert zu jeder Jahreszeit und zu jeder Gelegenheit: der Seitensprung. Manchmal kommt er völlig überraschend und unerwartet, manchmal zeichnet er sich über längere Zeit ab, manchmal passiert er im direkten Umfeld, manchmal mit einem fast Fremden – und regelmäßig bringt er eine oft langjährige Beziehung in Gefahr. Doch was sind die Gründe für einen Seitensprung? Soll man ihn beichten? Wenn ja, wann ist der richtige Zeitpunkt dazu? Und wie geht man am besten damit um – als Betrogener, aber auch als derjenige, der betrogen hat? Berechtigte Fragen, auf die es meist keine richtige oder falsche Antwort gibt. Fragen, die unbequem sind und deren Antworten sehr verletzen können. Wie auch immer beide Partner mit der Situation umgehen, ist sicherlich ganz und gar eine persönliche Entscheidung. Doch über allem steht die Frage: Ist es die Beziehung wert, daran zu arbeiten, so dass ein Seitensprung nicht das Ende sein muss?
Die Wurzel des Übels: Irgendetwas fehlt
So unterschiedlich die Umstände eines Seitensprungs sein mögen, so sehr geht er doch meist auf eine einzige Ursache zurück: In der bestehenden Beziehung scheint irgendetwas zu fehlen. Der Partner scheint nicht mehr so aufmerksam zu sein, man hat sich nichts mehr zu sagen, der Partner wird zur Gewohnheit und damit weniger interessant, man fühlt sich ungeliebt und unbeachtet, die Beziehung wird langweilig… Garniert man das Ganze noch mit einem Partner, der sich gehen lässt, der sich hinter seiner Arbeit verkriecht oder der nur noch mit Freunden ausgeht, ist einem Seitensprung Tür und Tor geöffnet. Und die nächste Gelegenheit dazu ergibt sich mit Sicherheit! Die Weihnachtsfeier unter Kollegen und Sportfreunden, der Ausflug mit Bekannten, die Dienstreise mit der hübschen Kollegin, Überstunden im Büro mit der attraktiven Sekretärin aus der Nachbarabteilung… So findet sich viel zu schnell zusammen, was nicht zusammen gehört: Der vernachlässigte Partner findet ein interessiertes Gegenüber, das attraktiv wirkt, das zuhört und einfach neu und interessant ist. Und schon gehen die Dinge ihren Gang, und am Ende steht der Seitensprung, der eigentlich nie geplant war, doch dann irgendwann doch passiert ist. Nun ist guter Rat teuer, denn soll man dem betrogenen Partner beichten, was passiert ist? Wichtiger noch: möchte man die Sache fortsetzen, oder war es tatsächlich ein einmaliger Ausrutscher? In jedem Fall muss man sich gut überlegen, ob und wann sich eine Beichte lohnt, denn es gibt gute Gründe dafür, aber auch dagegen.
Die Kernfrage: Was erwartet man von einer Beichte?
Zugegegeben, der Seitensprung selbst war gegen die Frage nach der Beichte eine echte Kleinigkeit. Denn warum möchte man ihn eigentlich beichten? Ist es nur eine Sache der Ehrlichkeit? Wohl kaum, denn diese ist längst in den Hintergrund gerückt, hat man doch offensichtlich niemals den Mut gefunden, über das zu sprechen, was in der Partnerschaft über lange Zeit hinweg gefehlt hat. Jetzt mit dem Argument der Ehrlichkeit punkten zu wollen, kann allenfalls vordergründig ein akzeptabler Ansatz sein, denn wer schon nicht ehrlich war, als es in der Beziehung zu kriseln begann, darf nicht erwarten, im Augenblick der Beichte vor dem Hintergrund der Ehrlichkeit auf Verständnis zu stoßen.
Ist es nicht viel eher das schlechte Gewissen, das man erleichtern möchte? Eine Absolution, die man vom betrogenen Partner und der Umwelt erwartet? Steckt nicht auch ein gewisser Egoismus dahinter, in einem Augenblick mit einem Geständnis aufzuwarten, in dem schon vieles verloren ist? Tatsächlich muss man sich ernsthaft die Frage stellen, was die Erwartung hinter einer Beichte ist, denn manchmal ist es einfach besser, nicht alles ans Licht zu zerren. Gibt es also Argumente, die dafür sprechen, den Seitensprung öffentlich zu machen?
Wie so häufig kommt es auch hier auf den Einzelfall an. Besteht die Gefahr, dass der Seitensprung auffliegt, ist es immer noch besser, der betrogene Partner erfährt es nicht von Fremden, sondern aus erster Hand. Gleiches gilt, wenn der betrogene Partner durch einen unglücklichen Zufall selbst dahinter kommen kann. Dann ist es regelmäßig besser, die Flucht nach vorne anzutreten. Und letztlich ist ein großer Vorteil der Beichte auch darin zu sehen, dass man die Beziehung gemeinsam retten kann. Das ist allerdings nur möglich, wenn beide daran arbeiten, denn einer allein kann dieses Problem kaum aus der Welt schaffen. Besteht also doch noch irgendwie die Hoffnung und der Wille, die Partnerschaft wieder in geordnete Bahnen zu lenken, kann eine Beichte mit einer anschließenden Paartherapie ein möglicher Weg sein. Trotzdem aber bleibt die Frage bestehen: Was passiert im Augenblick der Beichte? Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür, und wie verhält man sich am besten?
Niemals richtig: Der passende Zeitpunkt
Den richtigen Zeitpunkt für die große Beichte gibt es nicht – darüber muss man sich im Klaren sein. Ob man sich dafür entscheidet, die Bombe zwischen Tür und Angel platzen zu lassen, auf dem Weg zur Arbeit, beim gemeinsamen Frühstück oder Abendessen oder beim gemütlichen Wochenendausklang im Restaurant bleibt der individuellen Situation vorbehalten, doch fest steht: Nach dem Geständnis ist der Tag gelaufen. Bestenfalls gesteht man dem betrogenen Partner, was passiert ist und erspart ihm die Einzelheiten, solange er das zulässt. Natürlich muss man mit jeder denkbaren Reaktion rechnen: Eine Kurzschlussreaktion ist ebenso möglich wie fassungsloses, eisiges Schweigen. Völlige Ungläubigkeit oder wüste Beschimpfungen sind im Rahmen des Möglichen. Die Reaktion des betrogenen Partners wird auch von seinem persönlichen Temperament beeinflusst, und doch wird es immer wieder Überraschungen geben. Damit muss man in dem Augenblick rechnen, in dem man sich zur Beichte entschließt. Völlig unangebracht dürfte es aber sein, von dem betrogenen Partner eine rationale Reaktion zu erwarten. Deshalb lassen sich Vorwürfe unterschiedlichster Couleur wohl auch nicht vermeiden. Von der Frage „Wie konntest Du mir so etwas antun?“ über die Feststellung „Du bist wie Dein Vater!“ bis hin zu der Aussage „Daran ist nur Deine Arbeit schuld!“ ist alles denkbar, doch man darf ganz sicher nicht erwarten, ohne Vorwürfe des betrogenen Partners davon zu kommen. Allerdings sollte man selbst sich mit Vorwürfen zurückhalten, denn der betrogene Partner hat vermutlich schon genug damit zu tun, das gerade Gehörte einigermaßen zu verkraften. Ist der erste Schock erst einmal verdaut, stellt sich die Frage, wie beide Partner mit dem Geständnis umgehen möchten.
Nicht immer der Anfang vom Ende: Der Seitensprung
So erstaunlich es klingen mag, so sehr ist klar: Ein Seitensprung muss nicht das Ende der Beziehung bedeuten. Doch es liegt auf der Hand, dass dringender Handlungsbedarf besteht, wenn es denn einmal passiert ist. Die Frage aller Fragen ist dann, ob beide Partner noch daran interessiert sind, die Beziehung zu retten, denn falls einer von beiden die Partnerschaft nicht mehr fortführen möchte, müssen jegliche Rettungsversuche scheitern. Sind aber beide damit einverstanden, einen Neuanfang zu wagen, dann mag ein Seitensprung eher eine Chance als das Ende der Beziehung einläuten.
Doch man muss wissen: Der Weg wird nicht einfach. Im Idealfall lassen sich beide auf eine Paartherapie ein, in der die Partnerschaft von Beginn an aufgearbeitet wird. Das allerdings kann und wird schmerzhaft sein, denn man muss sich mit unzähligen unbequemen Fragen auseinandersetzen, und viele von ihnen werden bis in die Kindheit zurückreichen. Sind beide Partner allerdings bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, dann kann eine Beziehung aus einem Seitensprung sogar noch gestärkt hervorgehen. Das wiederum ist kein Einzelfall, denn so manche langjährige Ehe hat einen Seitensprung doch irgendwie verkraftet. Das allerdings sollte aber nicht auf Kosten eines Partners geschehen, weil man aufgrund materieller und finanzieller Probleme keine Trennung oder Scheidung möchte oder weil man das Gerede der Menschen im kleinen Ort fürchtet. Entscheidet man sich, nach einem Seitensprung weiter zusammenzubleiben, sollte man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und nicht so weitermachen wie bisher – zum Wohl beider Partner und im Interesse einer zukünftig erfolgreicheren Partnerschaft.









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